A.  PAOLA NEUMANN

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Einführungsrede von Dr. Ralf F. Hartmann, Galerie Nord, Kulturamt Mitte von Berlin, 2003

 

Es ist unverkennbar, auf welcher kunsthistorischen Grundlage Paola Neumann ihre Malerei aufbaut: Die konkrete Kunst der 1930er Jahre, beispielsweise eines George Vantongerloo oder eines Max Bill, schwingt im Hintergrund zwar ebenso wie die Farbfeldmalerei eines Mark Rothko oder eines Barnett Newman immer noch mit, aber Paola Neumann geht weit über die Fokussierung auf das einzelne Bild, das einzelne Kunstwerk hinaus. Zwar entwickelt auch sie ihre sensiblen Farb- und Raumerfahrungen im Bild aus der Modulation weniger reduzierter Farben und aus ähnlichen senkrecht verlaufenden Farbstreifen wie Barnett Newman, sie tut dies aber weit weniger in der Abgrenzung zur expressiven und gestischen Malerei, sondern eher in der Abgrenzung zum Experiment mit vielen verschiedenen Farben.

So zeigt uns beispielsweise das Tableau bzw. der Zyklus aus 8 flächigen Farbmalereien eine äußerst konzentrierte Untersuchung einer einzigen Farbe, nämlich eines kräftigen Grüns und seiner spektralen Nuancierungen. Angeordnet wie in einer wissenschaftlichen Versuchsreihe werden verschiedene Spezifika dieses intensiven Farbtons analysiert und einer genaueren künstlerischen Betrachtung unterzogen. Das Resultat dieses "Farblabors" ist ein faszinierendes Spektrum an farblichen Interferenzen, das sich allein aus minimalen Verschiebungen in der Akzentuierung des Kolorits ergibt.

Jedes dieser Bilder arbeitet mit dem Spannungsverhältnis zwischen lichten und zarten Rändern und einem kraftvollen farbigen Zentrum.

Dieses bildbestimmende Farbzentrum funktioniert gewissermaßen wie ein malerisches Kraftfeld, aus dessen Verhältnis zur Peripherie sich die gesamte Raumerfahrung, die Tiefen- und Vordergrundwirkung und die unglaubliche Spannung der Malerei entwickeln.

Erstaunlich ist die visuelle Konzentration, die nicht nur aus der seriellen Anordnung der Bilder, sondern insbesondere aus der Farbmodulation und der Behandlung der Valeurs resultiert: Denn Paola Neumann setzt nicht allein auf die geometrische Form, also die Anordnung von senkrechten Farbstreifen, sondern sie operiert sehr subtil mit der optischen Täuschung. Ihre Bilder entstehen durch das Übereinanderschichten unzähliger, zum Teil lasierter Farbaufträge.

Die Übergänge zwischen hellen und dunklen Farbflächen, zwischen kräftigem Kolorit und zarten Nuancierungen, bleiben auf diesen Schichtungen als atmosphärische Bereiche der Uneindeutigkeit stehen. Durch dieses bewußte Spiel mit der Unschärfe hat man als Betrachter den Eindruck, als würden die Farben zu flimmern beginnen und sich in ihren Flächenbegrenzungen permanent zu verschieben und neu anzuordnen.

Das ist eine Arbeit mit Malerei, die von uns als Betrachtenden nicht nur größte Konzentration und Zeit fordert, sondern die uns nahe legt, weniger das einzelne Bild als vielmehr die Gesamtheit eines Farbraums wahrzunehmen. Das von Mark Rothko in den 1960er Jahren angestrebte, sich fortwährend verändernde Kontinuum zwischen Werk und Betrachter, weitet Paola Neumann mit ihrer Installation in dieser Ausstellung zu einem Farb-Raum-Kontinuum aus, in dem weniger das einzelne Bild als vielmehr die atmosphärische Dichte eines ganzen Raumes Bedeutung hat.

 

   
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
     

 

   

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